,

Periimplantitis: Chirurgische Sanierung statt Explantation – was wirklich funktioniert

Periimplantitis

Periimplantitis zählt zu den häufigsten Komplikationen in der Implantologie. Die entzündliche Erkrankung des Gewebes um ein Zahnimplantat kann unbehandelt zu fortschreitendem Knochenabbau und letztlich zum Implantatverlust führen. Lange Zeit galt die Explantation als konsequente Lösung bei fortgeschrittenen Befunden. Heute zeigen klinische Erfahrungen und Studien jedoch, dass eine chirurgische Sanierung in vielen Fällen eine erfolgversprechende Alternative sein kann – vorausgesetzt, sie erfolgt zum richtigen Zeitpunkt und mit einem strukturierten Therapiekonzept.

Was ist Periimplantitis?

Bei der Periimplantitis handelt es sich um eine bakterielle Entzündung des periimplantären Gewebes, die mit einem fortschreitenden Abbau des umgebenden Knochens einhergeht. Sie unterscheidet sich damit von der periimplantären Mukositis, bei der lediglich das Weichgewebe betroffen ist. Ursachen sind meist bakterielle Beläge, begünstigt durch Faktoren wie mangelhafte Mundhygiene, Rauchen, Parodontitis in der Vorgeschichte oder ungünstige Implantatpositionen. Auch prothetische Überlastungen können eine Rolle spielen.

Explantation – wirklich immer notwendig?

Die Entfernung eines Implantats bedeutet für Patientinnen und Patienten einen erheblichen Einschnitt. Neben dem Verlust der prothetischen Versorgung gehen häufig zusätzlicher Knochenabbau, längere Behandlungszeiten und komplexe Folgeeingriffe einher. Aus heutiger Sicht ist die Explantation daher nicht in jedem Fall die beste oder einzige Lösung. Entscheidend ist eine differenzierte Beurteilung des Befundes: Implantatstabilität, Ausmaß des Knochenverlusts, Implantatdesign sowie die individuelle Risikosituation müssen sorgfältig analysiert werden.

Ziel der chirurgischen Sanierung

Die chirurgische Therapie der Periimplantitis verfolgt das Ziel, die Entzündung zu kontrollieren, bakterielle Biofilme zu entfernen und die Progression des Knochenabbaus zu stoppen. In geeigneten Fällen kann es sogar gelingen, das periimplantäre Gewebe zu stabilisieren und das Implantat langfristig zu erhalten. Voraussetzung dafür ist ein strukturiertes Vorgehen, das über rein mechanische Reinigungsmaßnahmen hinausgeht.

Was bei der chirurgischen Therapie wirklich funktioniert

Im Rahmen der chirurgischen Sanierung wird das Implantat freigelegt, um eine direkte Sicht auf die entzündeten Bereiche zu ermöglichen. Dadurch können harte und weiche Beläge deutlich effektiver entfernt werden als bei nicht-chirurgischen Maßnahmen. Eine sorgfältige Dekontamination der Implantatoberfläche ist dabei zentral, da bakterielle Biofilme stark an der rauen Oberfläche haften.

Je nach Defektmorphologie können zusätzlich regenerative oder resektive Verfahren eingesetzt werden. Ziel ist es, die Gewebeverhältnisse so zu gestalten, dass eine erneute Entzündung möglichst verhindert wird und die Mundhygiene für die Patientin oder den Patienten besser kontrollierbar ist. Entscheidend für den Erfolg ist weniger eine einzelne Methode als vielmehr das individuell angepasste Gesamtkonzept.

Grenzen der Sanierung

Trotz moderner chirurgischer Möglichkeiten gibt es Situationen, in denen eine Explantation medizinisch sinnvoller ist. Dazu zählen stark gelockerte Implantate, sehr ausgeprägter, zirkulärer Knochenabbau oder ungünstige Implantatpositionen, die eine nachhaltige Entzündungskontrolle unmöglich machen. Auch hier ist eine ehrliche Aufklärung wichtig: Der Erhalt eines Implantats darf nicht zulasten der allgemeinen Mundgesundheit gehen.

Bedeutung der Nachsorge

Der langfristige Erfolg einer chirurgischen Periimplantitistherapie hängt maßgeblich von der Nachsorge ab. Eine konsequente Mundhygiene, regelmäßige professionelle Implantatreinigung und die Kontrolle individueller Risikofaktoren sind unerlässlich. Die chirurgische Sanierung ist kein einmaliger Eingriff, sondern Teil eines dauerhaften Betreuungskonzepts.

Erhalt statt Ersatz – mit realistischem Blick

Die chirurgische Sanierung der Periimplantitis bietet in vielen Fällen eine reale Chance, ein Implantat zu erhalten und weitere invasive Maßnahmen zu vermeiden. Voraussetzung ist eine präzise Diagnostik, realistische Indikationsstellung und ein erfahrenes chirurgisches Vorgehen. Wir legen großen Wert auf eine individuelle Beratung und eine Therapieentscheidung, die sowohl medizinisch sinnvoll als auch langfristig tragfähig ist.

 

Bilderquelle: peopleimages.com – stock.adobe.com