Unterkieferprotrusionsschienen bei obstruktiver Schlafapnoe – funktionelle Kieferposition als Therapieprinzip

Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine häufige schlafbezogene Atmungsstörung, bei der es während des Schlafs wiederholt zu Atemaussetzern kommt. Ursache ist meist ein Kollaps der oberen Atemwege, insbesondere im Bereich des Rachens. Unbehandelt kann die Erkrankung nicht nur die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen erhöhen. Neben der CPAP-Therapie haben sich Unterkieferprotrusionsschienen als wirksame und gut verträgliche Behandlungsoption etabliert – insbesondere bei leichter bis mittelgradiger Schlafapnoe.

Obstruktive Schlafapnoe: Wenn die Atemwege im Schlaf kollabieren

Während des Schlafs erschlafft die Muskulatur im Bereich von Zunge, Weichgaumen und Rachen. Bei Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe führt diese Erschlaffung dazu, dass sich die oberen Atemwege verengen oder vollständig verschließen. Die Atmung setzt kurzzeitig aus, bis der Körper mit einer Weckreaktion reagiert und die Atmung wieder einsetzt. Diese wiederholten Ereignisse fragmentieren den Schlaf und verhindern eine erholsame Nachtruhe – oft ohne dass Betroffene sich dessen bewusst sind.

Therapieprinzip: Die funktionelle Kieferposition

Unterkieferprotrusionsschienen setzen genau an diesem Mechanismus an. Sie nutzen ein funktionelles Prinzip: Durch die Vorverlagerung des Unterkiefers wird auch die Zunge nach vorne verlagert. Dadurch vergrößert sich der Raum im Rachen, die oberen Atemwege bleiben offener und der nächtliche Kollaps wird reduziert. Die Atmung kann gleichmäßiger und stabiler erfolgen.
Die Schienen werden individuell angefertigt und nachts getragen. Entscheidend für den Therapieerfolg ist dabei die exakte Einstellung der Kieferposition – ausreichend weit nach vorne, ohne das Kiefergelenk oder die Muskulatur zu überlasten.

Wann sind Unterkieferprotrusionsschienen sinnvoll?

Unterkieferprotrusionsschienen eignen sich insbesondere für Patientinnen und Patienten mit leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe oder starkem Schnarchen. Sie kommen auch dann infrage, wenn eine CPAP-Therapie nicht toleriert wird oder als alternative Behandlungsoption gewünscht ist. Voraussetzung ist eine ausreichende Zahn- und Kiefergesundheit, da die Schiene an den Zähnen verankert wird und die Kiefergelenke die Vorverlagerung funktionell ausgleichen müssen.
Gerade hier spielt die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie eine wichtige Rolle: Die Beurteilung von Kiefergelenken, Okklusion und funktioneller Belastbarkeit ist entscheidend für eine sichere und erfolgreiche Therapie.

Vorteile der Schienentherapie

Für viele Betroffene stellt die Unterkieferprotrusionsschiene eine alltagstaugliche und vergleichsweise unkomplizierte Behandlungsform dar. Sie ist klein, geräuschlos und mobil einsetzbar, was insbesondere auf Reisen als Vorteil empfunden wird. Bei korrekter Anpassung kann sie die nächtliche Atmung deutlich verbessern, Schnarchen reduzieren und die Tagesmüdigkeit verringern.
Wichtig ist jedoch eine regelmäßige Kontrolle, um mögliche Nebenwirkungen wie Druckgefühle, muskuläre Verspannungen oder Veränderungen der Bisslage frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren.

Interdisziplinäre Diagnostik und individuelle Anpassung

Die Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Schlafmedizin, Zahnmedizin und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. Vor Beginn der Schienentherapie steht eine gesicherte Diagnostik, meist durch eine schlafmedizinische Untersuchung. Anschließend erfolgt die individuelle Planung und Anpassung der Unterkieferprotrusionsschiene unter Berücksichtigung der funktionellen Kieferposition.

In der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie Griebenow legen wir besonderen Wert auf eine präzise funktionelle Analyse, eine individuell abgestimmte Therapie und eine langfristige Betreuung unserer Patientinnen und Patienten. Ziel ist eine wirksame Behandlung der Schlafapnoe, die sowohl medizinisch sinnvoll als auch gut verträglich ist.

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